Acht Atemzüge im Aufbruch.
▪ März, früh. Eine Knospe reißt leise; die Erde riecht nach Regen.
▪ Pfützen mit dünner Haut; unter dem Schritt bricht sie weg.
▪ Heizung aus, Fenster auf Kipp: die Wohnung hat neue Luft.
▪ Erste Biene am Balkon; Gelb probt die Kehle.
▪ Am Wegrand setzt Gras ein helles Grün.
▪ Regen wird wärmer; der Asphalt dampft kurz.
▪ Wäsche draußen; der Wind probiert den Stoff.
▪ Abends: Amseln ordnen den Hof.
Acht Atemzüge im Licht.
▪ Mittag: Luft flirrt über dem Weg.
▪ Die Stadt riecht nach Stein und Pfirsich.
▪ Schatten sind Zimmer ohne Wände.
▪ Am Fluss: Wasser wiederholt sich; Haut trocknet schnell.
▪ Vor dem Gewitter: Metall im Mund, eine Stille zu viel.
▪ Grillrauch zieht Linien zwischen Balkonen.
▪ Mücken setzen Punkte; die Hand macht Wind.
▪ Nacht: Fenster offen; ein Zug klingt wie Meer.
Acht Atemzüge zwischen Ernte und Frost.
▪ Oktober, spät. Regen an der Scheibe; Tränen bleiben draußen.
▪ Weg am Feld. Gold in Pfützen – der Wind zählt die Reste ein.
▪ Morgennebel. Die Welt spricht leiser; Farben antworten ohne Stimme.
▪ Blätter fallen. Der Boden behält sie wie Notizen.
▪ Tage kürzer; die Küche wird zum Gesprächszimmer.
▪ Ein Apfel in der Hand: säuerlicher Duft, Vorrat im Kern.
▪ Erster Reif. Das Gras tut so, als schlafe es nur.
▪ Zwischen Ernte und Frost: eine Stunde ohne Rand.
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Acht Beobachtungen im Weiß.
▪ Januar, früh. Atem vor dem Gesicht; die Straße zählt Schritte.
▪ Fensterkitt kalt; das Radio spricht wärmer als die Küche.
▪ Schnee am Rand, graues Salz darin.
▪ Handschuhe aus: der Schlüssel erzählt Metall.
▪ Die Stadt klingt gedämpft; Sirenen liegen tiefer.
▪ Ein Hund im Park: schwarze Punkte im Papier.
▪ Später: Licht auf Heizkörperrippen, flackerndes Morse.
▪ Abends: Tee, der Raum wird kleiner und stimmt zu.