Momentaufnahmen Alltag in acht Strichen:
kleine Inventuren, bevor der Augenblick weiterzieht.
Konkrete Miniaturen der Beobachtung,
offen für Deutung.
Sie erklären nichts, sie lassen Raum.
Präzision, Bild, Rhythmus.
Wenige Sätze, ein Gedanke.
Kein Polster.
Diese Sammlung wird fortlaufend ergänzt.
© Hinweis
Acht Atemzüge am Brett.
▪ Zwiebeln auf, der Tag weint kurz mit.
▪ Messerflanke: Knoblauch duftet an Stahl.
▪ Pfanne leer – dann das erste Zischen, wie Zustimmung.
▪ Salz zwischen Fingern: Schnee im August.
▪ Dampf beschlägt die Brille; die Suppe wird vertraulich.
▪ Pfeffer niest die Luft wach.
▪ Ein Löffel probiert und nickt.
▪ Später: Stille Teller, warme Hände.
Acht kurze Bilder.
▪ Haltestelle. Warmer Bäckerlufthauch zwischen zwei Böen.
▪ Schaufenster: Gesichter schauen sich an, ohne zu sehen.
▪ Eine Taube stolziert durch Kopfhörerwelten.
▪ Ampel grün; der Regen bleibt rot im Rücklicht.
▪ Treppenhaus: Curry, Parfum, Waschmittel – Etagen reden.
▪ Im Aufzug übt jemand ein Lächeln.
▪ U-Bahn zieht ein Komma in den Tag.
▪ Spät: Neon summt; die Straße verhandelt mit der Pfütze.
Acht Bisse in den Morgen.
▪ Erster Schluck: Kaffee sortiert die Konturen des Tages.
▪ Croissantkrümel: kleine Lawinen über dem Teller.
▪ Draußen hetzt ein Anzug vorbei; die Krawatte frühstückt mit.
▪ Barista ruft Namen. Becher werden Personen.
▪ Handy vibriert: die Welt drängelt durch den Tischrand.
▪ Zuckerpäckchen reißt: ein kurzer Schnee über schwarzem Grund.
▪ Die Zeitung raschelt: Versprechen und Katastrophen.
▪ Später: Stuhl noch warm. Der Tag wechselt den Gast.